Das unberührte Nordkap abseits der Touristenströme

Es gibt Orte, an denen man das Gefühl hat, die Welt sei ein Stück größer, wilder und ehrlicher. Orte, an denen der Alltagsstress einfach am Strassenrand zurückbleibt. Die Halbinsel Nordkyn im Norden Norwegens ist genau so ein Ort. Als wir mit unserem Van die letzte Kuppe überquerten und sich die baumlose, endlose Tundra vor uns ausbreitete, wussten wir: Hier sind wir richtig.

Die Strasse schlängelt sich über die einsame Hochebene, während der Morgennebel langsam abzieht und die teilweise noch zugefrorenen Seen in diversen Blautönen schimmern.

Slettnes Fyr, Die Magie des Nordens
Je weiter man nach Norden vordringt, desto mehr verändert sich das Licht. Am Ziel unserer Fahrt angekommen, beim Slettnes Fyr, dem nördlichsten Festland-Leuchtturm der Welt, spürt man eine ganz besondere Stille. Es ist keine stumme Leere, sondern eine tiefe, fast greifbare Ruhe, die nur durch das unermüdliche Rollen der Barentssee unterbrochen wird.

Selbst unsere Hündin Jara, die sonst eher schüchtern ist und am liebsten im gemütlichen Van bleibt, schien die Energie dieses Ortes sofort aufzusaugen. Mit der Nase im Wind und voller Tatendrang genoss sie die neu gewonnene Freiheit auf dem weichen, federnden Moos der Tundra.

In dieser endlosen Landschaft zu wandern fühlt sich an wie ein stiller Dialog mit der Natur. Man verliert schnell den Bezug zu den alltäglichen Verpflichtungen und findet zurück zum Wesentlichen.

Jara lief voraus, schnupperte neugierig an jedem Steinhaufen und schaute sich immer wieder um, als wollte sie fragen: „Spürt ihr das auch?“
Dabei vergassen wir nie, dass wir hier nur Gäste sind. Die Leine blieb fest in der Hand, aus purem Respekt vor den Rentieren, den brütenden Vögeln und einer Natur, die ebenso verletzlich wie gewaltig ist.

Der Van: Unser sicherer Hafen
Wenn am Abend der arktische Wind kräftig an unserem Van rüttelt, während wir drinnen beim Abendessen sitzen, fühlt sich das Zuhause auf vier Rädern unbeschreiblich geborgen an. Draussen gab es heute zwar keine goldene Mitternachtssonne, stattdessen wanderte Dani allein zum Leuchtturm, während ich aus dem Fenster nur noch seine Silhouette auf dem Hügel erkennen konnte und spürte:
«Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Nur die Familie, die Freiheit und den richtigen Ort.»

Tipps für eure Reise nach Nordkyn:

Respektiert bitte auch die Wildnis: Die Tundra ist ein empfindliches Ökosystem. Bleibt auf den Wegen und nehmt Hunde unbedingt an die Leine, um Rentiere und Vögel nicht zu stressen.

Das Wetter ist der Chef: Packt Kleidung für alle vier Jahreszeiten ein. Das arktische Wetter wechselt schnell und die Natur bestimmt den Zeitplan.

Mehamn, ein Fischerdorf mit ca. 700 Einwohnern, Einkaufs & Entsorgungs Möglichkeiten, einer beliebten Bäckerei und einem für uns Traumstellplatz.
Das Klima in Mehamn ist subpolar, mit warmen und kurzen Sommern und nicht strenger Kälte im Winter. Obwohl es auf einem Breitengrad von 71° N liegt, ist es aufgrund des Einflusses des Golfstroms viel wärmer als andere Gebiete auf demselben Breitengrad. Auf dem Weg nach Mehamn haben wir einige Pausen eingelegt und immer wieder kamen warme Luftströmungen an uns vorbei. Faszinierend wenn sonst die Seen noch zugefroren sind.

Zeit nehmen und genießen: Schaltet den Motor aus. Setzt euch an die Küste und mit etwas Glück könnt ihr sogar Seehunde beobachten.

Einkehr im Slettnes Fyr Café: Das angeschlossene Gästehaus versprüht einen unglaublich positiven, gastfreundlichen Vibe. Neben Kaffee und fantastischem Kuchen gibt es traditionelle norwegische Spezialitäten wie zbsp. Walfisch Steak oder Rentier Eintopf. (Hinweis: Hunde sind im Restaurant nicht erlaubt, Jara hat sich währenddessen in ihrer gemütlichen Vanhöhle ausgeruht)
Kosten für ein ausgiebiges Essen zu zweit inkl. Getränken, Kuchen und Trinkgeld: ca. 100 CHF.

Der Leuchtturm ist noch begehbar: Den Schlüssel dafür bekommst du gegen ca. 5 CHF. im Café.

BnB um den Leuchtturm:
In den Häuschen um den Leuchtturm können seit einigen Jahren auch Zimmer gemietet werden. Das Team führt dies sowie das Café (Restaurant) mit ganz viel Hingabe und hat sich einen nachhaltigen Tourismus zum Ziel gesetzt. Sie nehmen sich Zeit für jeden einzelnen Gast, erzählen Geschichten und beantworten Fragen wo immer möglich. Wir haben nun auch einen besseren Einblick in die Vergangenheit des Leuchtturms bekommen und erfahren dass wir in der ehemaligen Wohnstube der Leuchtturmfamilie gegessen haben, sowie dass die Schiebetüren, Fenster und Holzböden noch original sind. Ein Besuch mit ganz speziellem, etwas nostalgischem Charme, der uns immer in Erinnerung bleiben wird.

Overnight mit Camper:
Sollte die alleinstehende Übernachtungsmöglichkeit nahe des Turms schon besetzt sein, keine Sorge. Am Ende der Strasse hat es einen Platz für mehrere Wohnmobile 😉 Wir sind ja nicht so der Fan von «kuscheln beim stehen», aber hier hat es sich def. gelohnt und sind dankbar dass wir diese Übernachtungsmöglichkeit hatten. Beste Sicht auf den Leuchtturm mit Rentieren am Strand. Wo bekommt man das sonst?

Gute Reise und god tur! Herzlichst Myri


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