Mitternachtssonne!

13. Mai bis 12. Juni 2026, Tag 274 bis 304

Was wir diesen Monat erleben durften, werden wir wohl nicht so schnell vergessen. Z.B. den Wolf, der mit einer Feder spielt, oder eine der grössten Eulen, die im 45-Minuten Takt Mäuse bringt, oder die Sonne, die nicht unter geht und unseren Camper auch um 03:00 Uhr bis zum Schweissausbruch aufheizt, oder der Schwan, der Rentiere verjagt, oder die riesigen Walfischknochen am Strand. Und natürlich Jara, die während der Autofahrt ihr Bett zerfetzt, weil sie so durcheinander ist.

auf «Safari»

Gleich zu Beginn dieses Monats gaben wir wohl den Rest unseres Monatsbudgets aus, um Bären und Wölfe beobachten zu können. An der Grenze zu Russland gibt es in Finnland verschiedene Orte, wo man eine «Safari» machen kann. Man kauft sich ein Ticket zu einem Häuschen in der Wildnis, das fürs Beobachten und Fotografieren ausgerüstet wurde, verbringt die Nacht dort und hofft, dass etwas passiert.

Und auch sonst unterwegs durch Finnland und Norwegen hatten wir viel Tier-Glück und schöne Momente.
Übrigens: je nördlicher, desto mehr Rentiere, desto weniger Wölfe und Bären: die Raubtier-Bestände werden «geregelt».

Aus dem Tagebuch (Tag 285): Ein Regentag. Und in der Nacht war Jara sehr unruhig. Ich nahm sie raus: half nichts. Myri stand auf, ass und arbeitete etwas. Das half: Jara wurde ruhig. Wohl etwa um 5 Uhr kamen die zwei dann ins Bett. Um 7:00 ging der Wecker, doch das regnerische Wetter und dass der Ziel-Gipfel unserer Wanderung umnebelt war liessen uns nochmals unter die Decke kriechen. Um 10:30 wachte ich wieder auf. Ich hatte es wohl nötig! Und die ewige Helligkeit ist sehr ungewohnt, bringt uns durcheinander.

Aus dem Tagebuch (Tag 288): Morgens bin ich mit Jara 45 Minuten durch den Wald auf Entdeckungstour. Sie voraus, überall am Schnüffeln, rauf, runter, mitten durchs Gestrüpp. Ein idealer Wald, mit Föhren, grosse, kleine, alle Stufen, und Moose, Flechten, Vaccinium und Erica. Einfach toll für Jara, für mich. Wir fahren dann trotzdem weiter. Es ist kalt, 3°, und bedeckt. Die Mitternachtssonne werden wir wieder nicht sehen.

endlich: Mitternachtssonne!

Aus dem Tagebuch (Tag 291): Morgens geh‘ ich mit Jara querfeldein. Die Leine zieht sie hinter sich her. Ich sage, wo’s lang geht. Sie kommt mit. Einfach toll, wie das immer öfter funktioniert. Nachmittags wandern wir zu einem Walskelett: Schädel, ein paar Wirbel und eine Rippe finden wir. Jara findet die Rippe super und dreht fast durch. An diesem Strand hat es doch auch etwas Abfall und viel Schwemmholz. Wo das wohl herkommt? Die Winterstürme müssen hier ziemlich heftig sein! Wir finden ein Rentiergeweih und versuchen, es aufs Dach zu binden. Nach langem Hin und Her finden wir heraus, dass es auch in die Box unter dem Bett passt. Nur: es stinkt … Um 23:30 gehen wir nochmals los: auf den Hügel zum Sendeturm. Mitternacht verpassen wir, da wir einem Raufusshuhnpärchen nachstellen. Die Stimmung ist einmalig schön, fast wolkenlos. Um 02:00 sind wir wieder im Camper. Die Sonne heizt ihn schon wieder auf.

Aus dem Tagebuch (Tag 292): Ein Schwan verscheucht Rentiere. Wir lassen uns im Auto von der Drohne verfolgen. Beim Akku-Lade-Stop entdecke ich Wale draussen im Meer: wahrscheinlich zwei verschiedene Arten. Wir bleiben noch etwas, beobachten. Dann geht’s weiter zum nächsten Stellplatz: nochmals Wale! Quasi vom Camper aus!

Aus dem Tagebuch (Tag 296): Heute fuhren wir gut 100 km. Anfangs mit etwas Regen. Ich sass wieder hinten bei Jara. Nach einer Pause nahm Myri Jara nach vorne und ich übernahm das Steuer. Das ging relativ gut. Zwischendurch konnte Myri sogar fotografieren und filmen. Die Strecke erinnerte mich u.a. an den Oberalppass im Frühling. Wir spazierten zu einem See mit noch etwas Eis drauf. Die Stimmung war auf kalt, doch es wehte ein warmer Wind. Föhn?

Jara

Gemini meint, das sich stetig verändernde Magnetfeld über dem Polarkreis beeinflusse u.a. den Orientierungssinn von Hunden. Zudem lade einen die ständige Sonne energetisch auf und diese Energie müsse wieder durch Erdung abfliessen können. Worauf Hunde auch reagieren würden: die Rentiere würden anders riechen wie unsere Rehe und Hirsche. Das könnte auch Jara’s intensives Schnüffeln seit Finnland erklären.

Aus dem Tagebuch (Tag 299): Es windet, ist kalt. Jara kommt um 02:00 kuscheln, schläft auf mir ein und bewegt sich wie wild im REM-Schlaf. Und auch am Morgen kickt und tritt sie mich als müsste sie einen Marathon laufen. Ob sie wirklich so viel verarbeiten muss? Wir gehen in der Tundra am Meer wander. Wunderschön. Dann fahren wir zum Leuchtturm, wo wir waschen dürfen. WLAN hat es auch. Und wir gönnen uns ein norwegisches Rentier Gericht, ein norwegisches Süssgetränk und einen norwegischen Dessert – mit Sicht aufs Meer im ehemaligen Esszimmer der Leuchtturm Familie. Einfach toll. Und danach in ein frisches Bett kriechen ist auch super schön.

Aus dem Tagebuch (Tag 301): Am Morgen liegen Rentiere vor dem Leuchtturm. Was für ein Anblick, ungewohnt, schön. Wir haben mit fünf anderen Campern am Startpunkt zu den Wanderwegen übernachtet. Auch ungewohnt. Mit Jara spazieren wir zu einem See wo sie trinken kann. Es ist wieder schön und die arktische Landschaft nach wie vor eindrücklich. Und so ruhig. Dann geht’s weiter zum Stellplatz bei Kalak, wo wir schon einmal waren. Ich fahre hinten bei Jara. Es funktioniert ziemlich gut. Myri fährt angenehm ruhig. Am Stellplatz ist ein deutsches Pärchen. Jara findet wieder ihren Birkenstrauch und buddelt darunter an ihrem Loch weiter. Myri macht uns feinen Kartoffel-Lachs Znacht.

Kennzahlen 10. Monat

Sehenswürdigkeiten: Bären, Wölfe und Leuchtturm Slettnes auf Nordkyn, Ausrüstung: online guide (Rexby) für Norwegen, Diesel: rund 177 Liter

FINNOTotal
Sehenswürdigkeit1’027111’038
Essen418386805
Diesel175182357
Jara6565
Ausrüstung3131
Wäsche99
Total1’6856192’305
Angaben in Euro. FIN = Finnland, NO = Norwegen

Reisehinweis:

viele Naturstrassen in Finnland sind für 3,5 Tönner nach der Schneeschmelze gesperrt. Sie sind oben nass und unten noch gefroren und zu schwere Fahrzeuge könnten stecken bleiben.


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