
DER neunte MONAT
ab in den Norden
13. April bis 12. Mai 2026, Tag 244 bis 273
Mit dem Ziel, bald die Mitternachtssonne zu finden, spulten wir im 9. Reisemonat viele Kilometer ab und wurden den vielen schönen Ländern auf unserem Weg überhaupt nicht gerecht. Es bleiben vielfältige Erinnerungen und die grosse Hoffnung, später die eine oder andere Ecke noch einmal richtig besuchen zu können.

Slowakei
Weil Jara das günstige Supermarkt-Hundefutter nicht erträgt, besuchen wir kurzerhand ein Tierheim, um unseren Büchsen-Vorrat zu reduzieren. Was für ein Unterschied zu Griechenland: Wir verstehen kein Wort und es sind gerade einmal 30 Tiere da, die innerhalb der Slowakei und nach Tschechien vermittelt werden. Streuner sind in der Slowakei offiziell kein Thema mehr. Man habe die Tötungsstationen in Tierheime umgewandelt.
Kurz darauf treffen wir im slowakischen Paradies ein. Die Landschaft erinnert mich an den Schweizer Jura, sogar mit Hochlandrindern auf der Weide. Es liegt noch etwas Schnee. Krokusse blühen und Pollen liegt in der Luft. Ich niesse oft.


Polen
Anfangs gefiel mir Polen nicht. Es ist flach, das Wetter war trüb, die blühenden Bäume dumpf, viel Industrie, neue Autobahnen (man hat Geld?!?), riesige Werbetafeln, Zivilisation. Die ländlichen Häuser gefallen mir nicht. Vielleicht gehen die Dächer zu weit runter. Der Verkehr ist vernünftig, geregelt, übersichtlich. Abfall sieht man wenig. Streuner gibt es nicht, dafür Fasane. Ihr Balzruf ist übrigens nicht gerade melodisch.
Der Biebrza Nationalpark gefällt uns umso mehr: Sumpf, Wald, kaum Häuser und viele verschiedene (auch komische) Vögel.

Wir kommen spät auf einem Zeltplatz an. Sympathisch, ausser dass ein verfilzter Hund alleine im Zwinger ist und der Besitzer den gefischten Hecht an Land ersticken lässt. Und: Jara bringt etwa 30 Zecken in den Camper. Effitix wirkt verrückt. Die Zecken sind alle schon halb tot. Ein unheimliches Gift!

Litauen
Aus dem Tagebuch (Tag 253): Im Vgl. zu Polen scheint Litauen hügeliger, die Landschaft kleinräumiger strukturiert. Es hat Sümpfe, Seen, Wälder … und Holzhäuschen. Schon fast skandinavisch. Und ja, wir fahren weniger Autobahn.


Auf dem Weg in den Norden finden wir eine Wisent-Zucht, die schon 1969 gegründet wurde und bereits 1973 Wisente in Litauen auswildern konnte. Heute sahen wir, wie Wisente Rinde frassen – wusste ich nicht. Mittagspause. Und dann weiter auf der Suche nach einem Schlafplatz. Ist nicht so einfach in Litauen. Hier im Norden Litauens ist es flacher, immer noch klein strukturiert. Viele Seen, Schilf, Birken. Und viele Dorfnamen enden au «ai».

Etwas weiter im Norden besuchten wir den «Berg der Kreuze» – ein eindrückliches und bedrückendes Denkmal. Studierende hätten für eine Studie einmal die Kreuze gezählt. Bei 50’000 haben sie aufgehört.

Lettland
Aus dem Tagebucht (Tag 257): Eine so ruhige Nacht, dass ich an meinem Gehör zweifle und mich auf das Rascheln von Jara’s Leine im Gras konzentriere. Am Morgen scheint die Sonne und plötzlich schneit es. April-Wetter in Lettland.

Auf dem Weg an die Küste windet, schneit, regnet es und dann scheint wieder die Sonne. Wir tanken Diesel, kaufen Essen und finden einen super Strand, Dank Leuten, die wir in Griechenland trafen. Jara freut sich so, springt und spielt. Es ist wunderschön. Vielleicht braucht sie ein Grundrauschen, z.B. vom Meer, das andere Geräusche übertönt?
Aus dem Tagebuch (Tag 259): Das Wasser hier aus der Leitung schmeckt moorig, metallern, auch nach unseren drei Filtern. Der junge Mann meint, es gäbe hier nur dieses Wasser und man kaufe sich Trinkwasser oder gehe zur Quelle. Und dann beschreibt er uns den Weg zur Quelle: zurück zum roten Leuchtturm, wo wir gerade vor einer Stunde waren. Wir kaufen Wasser im Laden, vor dem ein alter Mann um Geld bettelt. Das habe ich nicht erwartet in Lettland.


Estland
Aus dem Tagebuch (Tag 265): Geduscht, auf der Waldstrasse, im Schatten … und es gab ziemlich wenig heisses Wasser: wir mussten kaum heizen über Nacht. Brrr … ich musste mich nachher sehr dick anziehen. Märchenwald-Spaziergang durch den Dünenwald. Hier soll vor 10’000 Jahren die Küste gewesen sein. Danach fahren wir los, wieder in Richtung Norden. Unterwegs rufe ich den nächsten Tierarzt an und wir können einfach vorbei kommen, ohne Termin. Wie schön unkompliziert. Und günstig. Jara nimmt Milpro mit Rohschinken. In der Praxis. Was für ein toller Hund!!! Dann gibt’s eine kleine Odyssee auf der Suche nach Wasser. Bei der Circle K Tankstelle finden wir endlich einen guten Wasserhahn. Und da hätten wir auch etwas Essen kaufen können, anstatt die Hesburger, die wirklich nichts tolles sind … Am neuen Stellplatz (auch von RMK) kommt Jara einfach ‚raus: Pipi, Gaggi, herumspringen. Tolle Jara. Myri bucht die Fähre nach Finnland. Ich mache Resten-Znacht. Hier gibt es wieder ein Plumpsklo mit Styropor-Ring. Was will man mehr?

Aus dem Tagebuch (Tag 266): Jara hat Geburtstag und scheint gesund, hat Freude am Meer hier um Käsmu. In der Nacht war ich zweimal mit Jara draussen. Das zehrt an der Substanz. Die Sonne geht um 21:15 unter. Es ist lange hell. Heute Abend besucht uns eine Bachstelze. Am Morgen haben zwei vor uns gebalzt. Und gestern, als ich den Tierarzt anrief, stolzierte eine aufgeplustert auf uns zu. Als Krafttier erinnert die Bachstelze an Leichtigkeit, Ballast abwerfen, flexibel sein, die Balance halten … Gute Erinnerung für unsere Reise!

Finnland
Wir werden noch eine Weile in Finnland sein, daher nur kurz: Auf der zweistündigen Fährenfahrt von Tallinn nach Helsinki tanzt man Walzer, singt im Nebenraum Karaoke oder stockt im duty free Laden Alkohol auf. Ein kleiner Kulturshock für uns! Zum Glück haben wir dann etwas zur finnischen Kultur auf Youtube angeguckt und mitgenommen, dass man auf Besuch immer die Schuhe draussen lässt – so wie bei Moscheen. Nach wenigen Übernachtungen treffen wir im Boreal Wildlife Center ein. Ein fuliminanter Übergang vom 9. in den 10. Reisemonat!


Kennzahlen 9. Monat
Mit über 400 Liter Diesel geben wir Dank den aktuellen Preisen viel Geld aus. Dafür gibt es keine Maut und wir schlafen ziemlich günstig (bezahlen in Polen für den Zeltplatz und in Lettland für einen Parkplatz). Für unsere Apotheke und Gesundheit gab’s Desinfektionsmittel, Antihistamin und Magnesium. Dem Camper kauften wir Scheibenwaschmittel. Sehenswürdigkeiten: Biebrza Nationalpark, Parkplatz bei der Wasserburg Trakai, Museum Käsum.
| SK | PL | LT | LV | EST | FIN | Total | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Diesel | 54 | 225 | 204 | 92 | 179 | 753 | |
| Essen | 9 | 133 | 52 | 146 | 109 | 92 | 542 |
| Fähre | 169 | 169 | |||||
| Jara | 32 | 52 | 85 | ||||
| Schlafen | 71 | 10 | 81 | ||||
| Wäsche | 14 | 36 | 50 | ||||
| Apotheke | 26 | 26 | |||||
| Sehenswürdigkeit | 10 | 5 | 8 | 23 | |||
| Internet | 4 | 7 | 4 | 15 | |||
| Camper | 3 | 3 | |||||
| Total | 67 | 453 | 84 | 402 | 435 | 306 | 1’746 |
30 Übernachtungen
| Zeltplatz | «wild» | |
|---|---|---|
| SK | 1 | |
| PL | 3 | 5 |
| LT | 3 | |
| LV | 8 | |
| EST | 3 | |
| FIN | 7 |







