
DER ERSTE MONAT
Informationsüberfluss
Nach über 90 Tagen «on the road» versuche ich heute einmal, den ersten Monat Revue passieren zu lassen: vom 13. August bis zum 12. September 2025. Auf unserer Reise haben wir so viel gesehen, so viele Information sind auf uns eingeprasselt, dass eine Pause gut tut um Erlebtes zu verarbeiten. Dabei helfen mir unser Kopfkissenbuch, mein Tagebuch und unsere vielen, datierten Fotos und Filme.
Auf nach Spanien
Am 13. August fuhren wir los in Richtung Spanien, mit dem Ziel, endlich einmal meine Schwester zu besuchen. Auf dem Weg in die Türkei, ist das zwar ein ziemlicher Umweg. Er hat sich aber tausendmal gelohnt.

Am 12. September übernachteten wir dann bereits in Italien. Wir sind diesen ersten Monat viel gefahren.

Die erste Nacht
Die erste Nacht haben wir ziemlich aufgeregt auf einem in Park4Night gelisteten Stellplatz im Schweizer Jura verbracht. Ich erinnere mich gut, wie mich auf meinem abendlichen Waldspaziergang eine Maus mit ihren Knopfaugen angestarrte und dass uns in der Nacht ein Fuchs besuchte. Es war heiss und aus der Ferne drang Musik von einem Openair zu uns. Park4Night wird uns noch lange begleiten und uns an Orte bringen, die wir sonst niemals besucht hätten.
Die zweite Nacht
Um der Hitze zu entfliehen fuhren wir früh los – und weiter und weiter. Es wurde bis 40° heiss. Wir fanden keinen Rastplatz, keinen Schatte und fuhren weiter (mit Klimaanlage) bis in die Nacht hinein. Irgendwo im Nirgendwo in Frankreich fanden wir um Mitternacht einen Stellplatz, dank Park4Night, und staunten nicht schlecht: der Förster kam vorbei und warnte uns vor Waldbränden. Wir sollen doch so parken, dass wir im Notfall schnell wegfahren könnten! Danke für den Tip. Wir parkten um und horchten und rochen in die Nacht hinein.

Pyrenäen
Auf unserem Weg querten wir die französischen Pyrenäen bewusst zweimal. Und wenn mich jemand nach Highlights unserer Reise fragt, dann kommt mir immer gleich der Col de Tents in den Sinn …

… und die Gänsegeier, die sich um ein stinkendes Loch zankten.

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Geschminkte Kuh
Aus dem Tagebuch (Tag 7): «Das 1. Mal geduscht, nach wieder einem langen Tag: Murmeltiere fotographieren, das Tal herunterfahren, Abwasser entsorgen, Frischwasser und Diesel tanken, einkaufen und über zwei Pässe im dichten Nebel fahren. Wir sind unfallfrei. Und eine wunderschöne Kuh haben wir gesehen, weiss mit schwarzen Flecken, schwarze Augen und schwarz geschminkt. Am heutigen Schlafplatz gibt’s einen Bach mit einer alten, überwachsenen Steinbrücke und wunderschönen Badeplätzen. Es ist etwa 15° draussen …»

Nordspanien
Auch in Nordspanien beeindruckten uns die Gänsegeier – und zwar in der Nähe von Orduña.

Etwas weiter nördlich: etwas ganz anderes: die bemalten Bäume und die Meeresküste mit den speziellen Flyschklippen bei Zumaia.


5-Sterne Aufenthalt
Neben all‘ diesen Geschenken der Natur werde ich den 5-Sterne-Aufenthalt im «Hotel Schwester» nie vergessen. DANKE, DANKE, DANKE. Wir alle fühlten uns sehr willkommen und genossen die Zeit mit Gesprächen, Kochen, Wandern, Musikhören, in Erinnerungen schwelgen etc..

Aus dem Tagebuch (Tag 10): «Kleiner Spaziergang durch die Gegend, trocken, staubig, ein Bach hat noch etwas Wasser. Sonnenblumenfelder, gelb bis braun. Stoppelfelder vom Futteranbau. Sonne, Wolken … wir brauchen die warmen Kleider. Eine Wäsche gemacht. Jara erkundet das Grundstück. Wir sind etwas nervös. Wunderbare Abendstimmung am Teich, mit Fröschen. Ein Zaunkönig kommt vorbei. Äpfel, Zwetschgen, Nüsse, Beeren … alles da, gepflanzt, gepflegt von Katharina und Marianne über Jahre.»
Bardenas Reales
Auch nicht vergessen werde ich die Bardenas Reales. Nicht nur wegen der Landschaft mit den vereinzelten Äckern zwischen den Gesteinsformationen, sondern auch weil Jara richtig Freude zeigte, herumsprang und schnüffelte … bis die Kampfjets des Militärs irgendetwas abfeuerten oder selber beschossen wurden. Ich trug die zitternde Jara ins Auto zurück, wo sie sich sofort in ihrer Box verkroch. Ja, ein Teil der Bardenas Reales ist Militärgebiet.

Pause auf der Verkehrsinsel
Aus dem Tagebuch (Tag 22): «Wasser entsorgt und aufgefüllt. Diesel getankt und Kaffee gekauft, bei einem total herzlichen, herzigen Tankwart. Bis jetzt haben wir nur nette Menschen getroffen, hilfsbereit und mit einem Lächeln. Auch im Supermercado, und auch der Polizist, der uns wegen des Radrennens stoppte …» … und zu einer Pause zwang.

Thriller
In der Nähe von Prades fanden wir einen tollen Stellplatz: Wald, Sonnenuntergang, und die erste Nacht waren wir ganz alleine.

Alleine? Oder doch nicht? Da Jara auch nachts mal muss, verliess Myri den Camper um gleich wieder schreiend hinein zu springen. Da war ein Schatten! So gross wie Jara! Aber breiter, fleischiger, pelziger. Herzrasen! Adrenalin!
Später, allen Mut zusammengenommen, mit der Vernunft die Emotionen ausgeschaltet … raus aus dem Camper. Aarg, das Ungeheuer war noch immer da! Wieder in den Camper gesprungen! Wilder Hund? Kleiner Bär? Werwolf?
Am Morgen wanderten wir zu einem Badeplatz und fanden unweit vom Camper einen grossen Kothaufen, den Obsidentify als «Dachs» identifizierte – was für mich aufgrund der Beeren im Kot und ein paar Wühlspuren im Wald gut zum Schatten in der Nacht passt. Vielleicht sollten wir weniger Thriller hören?
Auf der anschliessenden Weiterfahrt wurden wir geblitzt. Vielleicht noch in Gedanken an die Nacht?
Unvorstellbar
Sprachlos, berührt, traurig … einfach unvorstellbar, wie der Militärdienst damals gewesen sein musste, als im 19. Jahrhundert die Festungen am Colle di Tenda / Col de Tende gebaut, genutzt, verteidigt wurden.
Ebenso unvorstellbar, was das Alpenhochwasser 2020 im Royatal, das zum Col de Tende hinaufführt, anrichtete. Die Spuren sind heute noch zu sehen, die Aufräumarbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen.
Kennzahlen 1. Monat
Diese ersten 31 Tage verbrachten wir in vier Ländern (CH, F, E und I) und gaben dabei rund 2’200 EURO aus. Am meisten für «Essen» (inkl. Hundefutter ). Wir haben für rund 633 Euro 407 Liter Diesel getankt und (v.a. in Frankreich) einiges für Autobahnen liegen lassen. Dafür übernachteten wir relativ günstig.
| CH | F | E | I | Total | |
| Essen | 60 | 389 | 340 | 190 | 978 |
| Diesel | 413 | 220 | 633 | ||
| Maut | 228 | 39 | 267 | ||
| Schlafen | 25 | 222 | 247 | ||
| Total | 60 | 1’055 | 598 | 411 | 2’125 |
31 Übernachtungen:
| Anzahl | Land | |
| «wild» | 19 | div |
| Zeltplatz | 2 | F |
| bei Daniel’s Schwester | 8 | E |
| Hotel | 2 | I |







